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Dein Gehalt ist doppelt so hoch, wie Du denkst - Deine Privatentnahmen (inkl. Excel Download)

  • Autorenbild: Patric Stöbe
    Patric Stöbe
  • 2. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Viele Selbstständige unterschätzen ihre echten Privatentnahmen dramatisch. Erfahre, welche versteckten Posten dazugehören, und wie Du mit einer einfachen Tabelle Klarheit schaffst.


Was zählt alles zu den Privatentnahmen
Was zählt zu den Privatentnahmen

Ich zahle mir im Monat doch nur 2.000 Euro aus." Diesen Satz höre ich in meinen Beratungen immer wieder, und fast immer ist er falsch. Nicht, weil meine Kunden sich verrechnen, sondern weil das, was am Monatsende auf dem Privatkonto landet, nur die Spitze des Eisbergs ist.


Wer als Einzelunternehmer oder z. B. in einer GbR tätig ist, entnimmt dem Betrieb weit mehr, als die bewusste Überweisung an sich selbst vermuten lässt. Der Großteil läuft still im Hintergrund mit, über das Geschäftskonto, die Buchhaltung oder die Steuer. In diesem Beitrag zeige ich Dir, warum Deine tatsächliche Privatentnahme oft doppelt so hoch ist wie gedacht, und wie Du sie in wenigen Minuten selbst ermittelst.



Privatentnahmen, kurz erklärt

Anders als eine Kapitalgesellschaft zahlt ein Einzelunternehmen ihren Inhabern kein Gehalt. Es gibt keinen Lohn, der als Betriebsausgabe den Gewinn mindert. Stattdessen entnimmst Du Geld und Werte aus dem Betriebsvermögen, das sind die sogenannten Privatentnahmen. Sie mindern nicht den Gewinn, sondern nur Deine Kohle auf dem Konto.

Da das Wort "Privatentnahme" sprachlich unzureichend ist und den Kern nicht trifft, führt dieser Fehler bei Unternehmern, egal ob jung oder alt, immer wieder zu Fehleinschätzungen und einem bösen Erwachen am Ende eines Geschäftsjahres.


Der blinde Fleck: Was alles zur Entnahme gehört

Zur echten Privatentnahme zählt weit mehr als die klassische Überweisung aufs Privatkonto. Typische Posten, die meine Mandanten regelmäßig übersehen:


·         Bargeld und Überweisungen, Barentnahmen aus der Kasse, Abhebungen am Automaten, Überweisungen aufs private Konto. Der offensichtliche Teil.


·         Sach- und Warenentnahmen, Waren oder Material, die Du privat nutzt, statt sie zu verkaufen.


·         Private Nutzung von Betriebsvermögen, der Firmenwagen, das Diensthandy, Energiekosten: alles, was privat mitgenutzt wird, ist eine Nutzungsentnahme.


·         Ungeklärte Belege, Ausgaben, die sich mangels Nachweis nicht dem Betrieb zuordnen lassen, landen im Privatbereich. Ein oft unterschätzter Posten.


·         Private Steuern über das Geschäftskonto, Einkommensteuer-Vorauszahlungen und -Nachzahlungen sowie die Kirchensteuer sind keine Betriebsausgaben. Werden sie vom Geschäftskonto gezahlt, sind es Entnahmen.


·         Vorsorge und Versicherungen, Kranken- und Pflegeversicherung, private Altersvorsorge sowie private Versicherungen (Lebens-, Haftpflicht-, Unfallversicherung). Als Selbstständiger trägst Du diese privat, auch wenn sie bequem vom Geschäftskonto abgebucht werden.


·         Sonstiges, private Spenden und alle weiteren privaten Ausgaben, die über den Betrieb laufen.


Rechnet man das zusammen, entsteht schnell ein ganz anderes Bild als die vermeintlichen 2.000 Euro im Monat, die Du Dir am Geldautomaten direkt ziehst.


Der Gegenpol: Privateinlagen

Fairerweise muss man die andere Richtung mitrechnen. Auch Einlagen auf das Geschäftskonto erfolgen meist ohne konkrete Beachtung und müssen im Gesamtkontext von den Entnahmen wieder abgezogen werden. Aber Achtung, je höher das Verhältnis von Einlagen zu Entnahmen ausfällt, desto eher schaut auch das Finanzamt bei einer Betriebsprüfung kritisch auf diese Positionen.


Wer hohe Einlagen tätigt, ohne ein Mindestmaß an Geld zu entnehmen, muss sich fragen lassen, warum er oder sie das macht und woher denn die ganzen Einlagen stammen (Geld von Oma ist hier der Klassiker, der regelmäßig für Gelächter bei den Finanzbehörden sorgt).


Ein Rechenbeispiel

Nehmen wir einen typischen Fall. Der Unternehmer überweist sich rund 2.000 Euro im Monat und ist überzeugt, „bescheiden" zu leben. Zählt man aber Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, private Versicherungen, die Kfz-Nutzung und ein paar ungeklärte Belege hinzu, summieren sich die Entnahmen auf 51.000 Euro im Jahr. Nach Abzug von 4.800 Euro Einlagen bleibt eine tatsächliche Netto-Privatentnahme von 46.200 Euro pro Jahr, rund 3.850 Euro im Monat.


Fast das Doppelte des gefühlten Werts. Genau diese Lücke zwischen Gefühl und Realität wird für die Liquiditätsplanung dann zum Boomerang.


Warum diese Klarheit entscheidend ist

Wer seine echte Entnahme kennt, trifft bessere Entscheidungen:


·         Liquidität sichern: Du weißt, wie viel der Betrieb tatsächlich erwirtschaften muss, damit Dein Lebensstandard finanziert ist.

·         Steuerrücklagen realistisch bilden: Einkommensteuer-Nachzahlungen überraschen niemanden mehr.

·         Ehrlicher Vergleich mit einem Angestelltengehalt: Erst die Vollkostenbetrachtung zeigt, welches „Bruttogehalt" Deine Selbstständigkeit eigentlich abwirft.

·         Preise und Honorare kalkulieren: Wer seine echten Entnahmen kennt, kalkuliert Stundensätze, die auch wirklich tragen.


Fazit

Deine Privatentnahme ist fast immer höher, als dein Bauchgefühl vermuten lässt. Der Unterschied steckt in den stillen Posten, Steuern, Vorsorge, Nutzung und ungeklärte Belege. Mit einer strukturierten Aufstellung, die monatliche Beträge auf das Jahr hochrechnet, machst Du diese Zahl in wenigen Minuten sichtbar. Und Klarheit über die eigene Entnahme ist die Grundlage jeder soliden Unternehmens- und Privatfinanzplanung.


Du möchtest wissen, wie hoch Deine tatsächlichen Privatentnahmen sind? Dann nutze doch die Excel-Tabelle, die ich für Dich erstellt habe. Ich freue mich auf Dein Feedback.



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